Autorenlesung mit Katja Seide

Verfasst am: 28.10.2018

 

Beziehungs- und bedürfnisorientierte Elternschaft jenseits der Baby- und Kleinkindphase, darum ging es in dem Vortrag von Katja Seide, erfolgreiche Bloggerin und (Mit-)Autorin der Bücher „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“. 

Mit viel Humor und Charme und dem Blick auf die Bedürfnisse der Großen und Kleinen führte Katja Seide durch Ihren Vortrag. Anhand von Beispielen aus ihrer Familie, ihrer Tätigkeit als Lehrerin und als Beraterin sowie von ihrem Elterblog „gewuenschtestes-Wunschkind.de“ bekam der Zuhörer auf ganz leichte Art vermittelt, wie man bedürfnisgerecht erziehen kann. Seide sagt, dass beziehungs- und bedürfnisorientierte Elternschaft ohne Drohen und Strafen möglich sei. Sie stellte dem Zuhörer dazu die fünf Säulen für eine gute Beziehung vor.

Ausgiebig ging sie auf den ersten und wichtigsten Punkt ein: Bedürfnisse, Motive und Absichten des anderen erkennen, nur dann kann man bedürfnisorientierte Lösungen finden. Das Motiv, warum Kinder häufig beim Abendessen oder vor dem Zubettgehen so aufdrehen, hielt für die anwesenden Eltern einen Aha-Moment bereit: Kinder nutzen diese Strategie, um den Stress des Tages zu verarbeiten. Zum Leitwesen der meisten Erwachsenen entstressen Kinder nicht durch Ruhe, sondern durch laut sein, Provokation und Bewegung. Doch dieses Bedürfnis ist genauso wichtig und damit gleichberechtigt, wie das elterliche Bedürfnis nach Ruhe nach einem anstrengenden Tag. Wer nun auf Lösungen hoffte, die für alle passen, wurde enttäuscht. „Jede Familie muss ihren eigenen, für sie passenden Weg finden, mit diesen Situationen umzugehen“, so Seide. Für den einen ist es in Ordnung, draußen zu picknicken, die Kinder toben dabei rum und die Eltern entspannen sich bei einem Gespräch, für den nächsten ist es die Lösung, sich vom Esstisch zurück zu ziehen und auf der Couch zu essen. Oft haben auch Kinder ganz interessante Lösungsvorschläge, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Kinder zu hören und Mut zum Unkonventionellen, machen die Lösung oft einfacher als man denkt. Die weiteren Säulen wie 'wirklich wahrgenommen werden, Interessen des anderen Beachtung schenken, gemeinsames Tun und emotionale Intelligenz' transportierte sie genauso humorvoll und mit viel Sachwissen gespickt. 

All ihre Thesen untermauerte Seide mit Studien zur Gehirnentwicklung und Ergebnissen von Versuchen, was zum Beispiel erlernte Hilflosigkeit mit Lebewesen macht. Sie ging auch auf Punkte ein, warum die heutigen Kinder als lauter und wilder wahrgenommen werden als frühere Generationen. Auch Themen wie man auf den immer kleiner werdenden Freiraum für Kinder reagieren kann und warum Ignoranz das schlimmste ist, was man seinem Kind antun kann, ging sie ein.

Alles in allem ein sehr informativer und humorvoller Vortrag, der auch sehr gut die Brücke schlägt zu dem pädagogischen Montessori-Ansatz. Vieles was Frau Seide als Lösungsmöglichkeiten zur beziehungs- und bedürfnisorientierten Beziehung anregte, zum Beispiel den Kindern mehr Raum und Zeit zum freien Spiel und somit auch zum freien Lernen einzuräumen, machte Maria Montessori ganz intuitiv. Auf dieser Basis hat sie ihr Schulkonzept entwickelt und die Schülerinnen und Schüler profitieren davon in ihrer Entwicklung und damit ihr Leben lang. 

(Beitrag verfasst von Natascha Kraeh-Hoffmann)