Hurra, wir sind Schachschule!

Verfasst am: 16.04.2016

 

Herr Giehl, wie kam es zum Schachspielen an der BMS?

Ach, das war mehr oder weniger zufällig. Unser Kunstraum war zu klein und zu eng.
Deshalb trennten wir die Klasse in eine Kunst- und eine Lernspielgruppe. Unser erstes Schachbrett
haben wir dann in der Lernspielgruppe selbst gebaut und auf diese Weise gemeinsam die Faszination
für dieses wundervolle Spiel entdeckt. Dass das einmal in einer Schachschule münden würde, war so
nicht geplant. Umso mehr freut es uns, dass wir nun offiziell als "Deutsche Schachschule" anerkannt
wurden.

Wie wird man "Deutsche Schachschule" und was bedeutet das für Sie?

Na, zunächst einmal muss man die Kriterien des Qualitätssiegels „Deutsche Schachschule“erfüllen.
Da geht es um regelmäßige Ausrichtung von und Teilnahme an Schulschachturnieren, qualifiziertes
Schachtraining, Material, Räumlichkeiten und vieles mehr. Kurzum, da steckt viel Arbeit dahinter. 
Was es mir bedeutet? Ich finde es einfach toll zu sehen, wie viel Freude das den Schülern bringt. Im
Vordergrund stehen immer der Spaß und der Wettkampfgedanke. Dabei ist ein Sieg natürlich positiv
aber nicht die Hauptsache. 

Was war Ihr schönstes Schacherlebnis, seit Sie Schach an der Schule unterrichten? 

Schwer zu sagen, jedes Spiel ist ein Freude. Es ist schön zu sehen, wie sich die Schüler durch Schach 
persönlich weiterentwickeln. Toll war natürlich, dass ich Paul Boos zum rheinhessischen
Schachmeister begleiten durfte oder dass Leon Schmid an der Deutschen
Amateurschachmeisterschaft teilnehmen konnte. Die schönsten Momente begegnen einem aber im
Alltag, wenn beispielsweise Viertklässler auch mal gegen Erstklässler verlieren und sich vor den 
Neuen fast „fürchten“. 

Was hat denn Schach in der Schule verloren? 

Schach fördert das mathematische Denken. Vor einigen Jahren gab es an einer Grundschule in Trier 
ein Testprojekt. Eine Mathematikstunde wurde ein Schuljahr lang durch eine Schachstunde ersetzt. 
Am Ende des Schuljahres wurden in Mathe Vergleichsarbeiten mit anderen Klassen durchgeführt. 
Dabei schnitt die Schachklasse überdurchschnittlich gut ab. Darüber hinaus fördert Schach die Sprache,
die Kommunikationsfähigkeit von Kindern, es fördert den Austausch, das räumliche und das
soziale Denken.

Gibt es einen pädagogischen Bezug zu Montessori?

Schach passt zu Montessori sehr gut. Unser Schachtraining findet während der für Montessori
typischen Freiarbeit statt. Die Kinder lernen am Material. Sie verknüpfen Greifbares mit Abstraktem. 
Sie tauschen sich aus, sie helfen einander, sie lernen mit Spaß. Die wildesten Jungs werden durch
Schach plötzlich ganz ruhig und konzentriert. Schach hilft ihnen, ihre Energie zu bündeln und sich
zu fokussieren. 

Wie und wann fanden Sie persönlich zum Schach?

Ich habe das Spielen von meinem Vater gelernt. Im Alter von sieben oder acht Jahren ging das los.
Dann habe ich ganz lange nicht gespielt und bin eigentlich erst wieder durch unsere Schule zum
Schachspielen zurückgekehrt.

Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Nachdem unsere Spieler bereits rheinhessische und rheinlandpfälzische Meisterstitel und den
Schachjugend Grand Prix 2015 erringen konnten, wäre es natürlich ein Traum, nun auch auf
bundesdeutscher Ebene zu punkten. Das ist zwar ein langer Weg dorthin, aber wenn Talent auf
Begeisterung trifft, kann alles gelingen.