Mathematik zum Anfassen

Verfasst am: 25.11.2018

 

Als die Lerngruppe Triton (Kl. 5/6) am 24. September 2018 auf der Mitmachausstellung (Mima) an der Kasse verschiedene mathematische Körper und interessante Formen und Körper sah, war das Interesse bei den meisten SchülerInnen geweckt. Erst recht als sie erfuhren, dass es ein Doktor der Mathematik direkt aus Ingelheim gewesen sein soll, der diese mit ein paar mathematischen Formeln, einem 3-D-Drucker und einer großen Portion Kreativität, Kunstverständnis gepaart mit Fachwissen hervorgebracht haben soll. Er heißt: Herr Labs, Dr. Labs, freiberuflicher Mathematiker und Designer und eben auch wissenschaftlicher Berater der Mima in Ingelheim. 

Zur Vorbereitung eines Treffens schrieben  die SchülerInnen Fragen auf und am 13.11.2018 fand sich Dr. Labs persönlich im Mathematikunterricht der Triton ein. Bereitwillig beantworte er nicht nur Fragen der SchülerInnen zur Mima zu den Themenschwerpunkten der letzten Ausstellung (Symmetrien, Spiegelachsen, Formen und Körpern), die ebenso Inhalte des derzeitigen Mathematikunterrichtes sind. Es ging auch um allgemeine Fragen über Motivation, Persönliches und zur Geschichte von Mathematik: „Wie wird man Mathematiker?“, „Welche Bücher lesen Sie?“, „Was macht Ihnen an Mathematik Spaß?“, „Wie sind Sie darauf gekommen, solche Figuren zu machen?“, „Was kostet ein 3-D-Drucker?“ und „Gibt es einen Ausdruck in der Mathematik, den Sie nicht kennen?“. 

Bepackt mit einer Menge an mathematischen Körpern, Figuren aus dem 3-D-Drucker, Laser-in-Glas-Objekten und vielen anderen Interesse weckenden Dingen präsentierte Herr Dr. Labs anhand seiner Ausarbeitung zu den Fragen der SchülerInnen einen für die SchülerInnen interessanten wie auch fesselnden Vortrag. Seine Show und Mitmachreise von der eigenen persönlichen Geschichte, über wichtige Stationen der mathematischen Geschichte bis hin zu den letzten Projekten und Ausstellungen in Paris und Lissabon wurden seitens der Schülerschaft gespannt verfolgt.

Er berichtete von seinen mathematischen Lieblingsbüchern, wie z.B. „Die Elemente“ (der Satz des Pythagoras) von Euklid oder aber auch „Anschauliche Geometrie“des bedeutsamen Wegbereiters David Hilbert mit Stephan Cohn-Vossen. Dann Roger B. Nelsens Buch über Beweise ohne Worte und schließlich Lynn Gamwells Buch über Mathematik und Kunst. Dies und Herrn Dr. Labs' Geschichten dazu fanden durch die in der Lerngruppe umhergereichten Bücher, aber ebenso auch anhand des dortigen Montessori-Materials großes Interesse auf Seiten der Schülerschaft. Als der von Herrn Dr. Labs ebenfalls herumgegebene eigene mathematische Forschungsartikel auf halber Strecke hängen blieb, beschwerte sich der letzte Tisch, dass sie diesen doch bitte auch noch anschauen möchten.

Geschichte, Wissenschaft und die Erfahrungswelt der SchülerInnen wurden derart miteinander verwoben und verknüpft, dass neue Synapsen und Wege in den Denkstrukturen geebnet wurden.

„Was ist in der Mathematik besonders wichtig zu können?“, fragten die SchülerInnen. Erst ein wenig irritiert und nachdenklich sah man Dr. Labs… dann so etwas wie „schwierig, schwierig...“. Diese Frage war selbst für den erfahrenen Mathematiker nicht einfach zu beantworten, aber umso eindeutiger seine Antworten: „Kopfrechnen, mathematischer Überschlag, Prozentrechnung, Kenntnisse in der Geometrie“. Aber das Allerwichtigste seiner Meinung nach ist das „selbstständige Denken“. Auch Grundkenntnisse der neuen Kommunikationswissenschaften (Programmierung von Computern, Neue Medien) wie auch Fremdsprachenkenntnisse hält er in der heutigen Zeit für grundlegend und äußerst wichtig. Einfache Tipps und Tricks des Programmierens hätten seine Kinder auf www.code.org vorfinden können. Mit neun Jahren können Kinder dort fast komplett eigenständig lernen, kleinere Programme zu entwickeln. Wobei das Wissen über Gefahren und Chancen der neuen Techniken gleichsam zur Aufklärungs- und Bildungsarbeit der heutigen Zeit gehörten. Herr Dr. Labs selbst bezieht seine Inspiration aus Büchern, Zeitschriften, Internet, Vorträgen anderer Wissenschaftler und vor allem einem aufmerksamen Betrachten der Welt – jeden Tag. 

Zum Schluss seiner mathematischen Rundreise hatten die SchülerInnen noch einmal Zeit, alle mitgebrachten Formen und Körper auszuprobieren. Auch mit Draht und Zange, Zirkel und Geodreieck bestückt, konnten sie Figuren zur Herstellung von Luftblasen mit mathematischen Formen selbstbestimmt und kreativ umsetzen. 

Das Feedback auf diese Reise zur Mathematik war bei den SchülerInnen der Lerngruppe einstimmig: sehr interessant, viel gelernt, sehr gerne wieder!

Bericht von Raúl de la Fuente Briones