Premiere–Kino in der BMS

Verfasst am: 05.04.2019

 

Der französische Film „Das Prinzip Montessori“ wurde am 21.3.2019 in der ersten Kinonacht der Bilingualen Montessori Schule (BMS) vorgeführt.

Schon am Eingang wurde der Besucher herzlich von drei Schülern*Innen der Sekundarstufe begrüßt. Im Vorraum wehte einem der Duft von frischem Popcorn um die Nase und man konnte glatt vergessen, dass man sich in einer Schule befindet. Der Film „Das Prinzip Montessori“ lockte die Eltern der Schüler abends an die Lernstätte. Doch auch viele Bürger*Innen aus der näheren Umgebung ließen sich die Chance nicht entgehen, diese interessante Dokumentation zu sehen, die letzten Herbst in den Progammkinos lief. Weit mehr als 100 Gäste konnte die BMS an diesem Abend willkommen heißen. Viele nutzten das Angebot von typischen Kino-Snacks und Getränken. 

Um 19:30 Uhr begaben sich die Besucher auf ihre Stühle, die nun doch mehr an Mensa als an Kinosessel erinnerten und warteten gespannt auf das, was da nun kommen mag. Eine Dokumentation war angekündigt, mit anschließender Diskussion mit einer Montessori-Pädagogin. Doch bevor es losging, gab es noch die obligatorische Runde Eis, die jeder von einem Kinobesuch kennt. Die BMS verstand es wirklich, die Mensa in einen Kinosaal zu verwandeln. Dann ging es los. Stefanie Breider, Leitung Kommunikation an der BMS, eröffnete den Filmabend und war sehr froh, dass die Technik wunderbar lief und nun die Premiere an der BMS starten konnte. Gespannte Ruhe breitete sich im Saal aus.

Der Film begann mit einem Baby, das sich auf seine Weise die Welt eroberte, Stück für Stück immer seinen Fähigkeiten entsprechend. Er zeigte sehr eindrucksvoll, wie erst die nähere und mit wachsender Mobilität auch die weitere Umgebung erkundet wurde. Als das circa einjährige Mädchen alleine eine Leiter erklomm, war ein hörbares Einatmen im Raum zu vernehmen. Wohl kaum einer der Eltern hätte nicht gerne neben der Leiter gestanden und schützend die Hand an den jungen Menschen gehalten. Doch der Kameramann war auch der Vater der Kleinen und verstand sich als Beobachter und Lernbegleiter seiner Tochter. Er war neugierig, wie kompetent Kinder sich von klein auf verhalten und wie gut sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen konnten. Er suchte nach Möglichkeiten, seine Beobachtungen auszubauen und kooperierte schließlich mit einem Montessori-Kinderhaus in Frankreich. Auch Maria Montessori erkannte schon vor über 100 Jahren, wie Kinder sich entwickelten, wenn sie sich in einer bedürfnisgerechten Umgebung entfalten durften. Die Kamera nahm den Zuschauer mit in die Welt der 3-6- jährigen in einem Montessori-Kinderhaus. Nun fragt man sich vielleicht: Was unterscheidet ein solches Kinderhaus von einem Kindergarten? Was gleich auffällt ist, dass es keine Materialien gibt, die wir gemeinhin als Spielsachen beschreiben würden. Doch die Materialien, die es gibt, sind gut sicht- und erreichbar für die Kinder aufgebaut. Alles hatte seinen festen Platz und lädt zum Ausprobieren ein. Es gibt Klötze zum Turmbauen, Tafeln zum Buchstaben lernen, Behälter zum Schütten üben, Vasen, die mit Begeisterung von den Kindern mit Blumen, die sie selbst zugeschnitten haben, gefüllt werden. Für viele Kinder war im Film auch das echte Bügeleisen ein Highlight, was bei den Eltern wieder das schon bekannte Lufteinziehen auslöste. Vierjährige, die mit Begeisterung Taschentücher bügeln, findet man in Kindergärten wohl eher selten. Überhaupt zeigte der Film die Kinder häufig in ihr Tun vertieft, in voller Konzentration. Gemeinhin bezeichnet man diesen Zustand auch als Flow.

Die Doku gibt ein tieferes Verständnis dafür, dass Kinder in diesem Alter sehr praktisch orientiert sind und alles gut verstehen, was man ihnen mit den eigenen Händen zeigt. Sie wollen die gleichen Dinge tun wie Erwachsene, also schneiden sie selbständig Obst und schenken sich Trinken aus Glaskaraffen in Trinkgläser ein. Die Kinder wachsen und erleben sich als selbstkompetent und entwickeln dadurch ein gesundes Selbstbewusstsein. „Am meisten fasziniert hat mich diese Ruhe - in einem Raum mit so vielen Kindern.“, berichtete eine pensionierte Lehrerin im Anschluss an den Kinofilm. 

Nach der Dokumentation gab es eine kurze Pause, in der man sich die Beine vertreten und die Vorräte an Snacks und Getränke wieder auffüllen konnte. Anschließend betrat Simona Pöse, Leiterin der Jahrgangsstufe 1-6 der BMS und renommierte Montessori-Pädagogin das Parkett. Sie stand den Zuhörern Rede und Antwort für alle Fragen, die aufgetaucht waren. Wie wird das Prinzip Montessori, das der Zuschauer in dem eindrucksvollen Film sehen konnte, in einer Schule umgesetzt? Selbstbestimmtes Lernen innerhalb des Lernplanes, ist das möglich? Wie geht man mit Kindern um, die scheinbar nicht intrinsisch lernen? All diese Fragen, beantwortete Frau Pöse sehr souverän aus der Praxis heraus. Sie stellte die sich weiterentwickelten Bedürfnisse der 6-12-jährigen heraus. Wie wichtig in diesem Alter das Vergleichen in der Peer-Gruppe ist und warum es in den allermeisten Fällen leicht gelingt, selbstbestimmtes Lernen innerhalb des rheinland-pfälzischen Lernplanes zu ermöglichen.

Auch ganz praktische Ideen für den Alltag zu Hause gab Frau Pöse mit. So können zum Beispiel Kinder ihre Kleidung für den nächsten Tag schon am Abend vorher selbstständig raus legen oder feste Aufgaben im Haushalt übernehmen. Nach einem dreistündigen Abend mit einem tollen Film und einem inspirierenden Austausch gingen die Gäste nach Hause. Sie waren angefüllt mit vielen Eindrücken und der einen oder anderen Idee, was man in der eigenen Familie verändern kann, um die Selbstkompetenz auch dort zu stärken. Mein 7-jähriger Sohn war ganz begeistert von meinem Vorschlag, nun auch Bügeln zu lernen. 

Bericht von Natascha Kraeh-Hoffmann